Wir bitten nochmals um freundliche Beachtung:

Der spirografBLOG ist umgezogen.
Neue Anschrift: www.blog.spirograf.de

Wir freuen uns weiterhin auf Leserinnen und Leser.

Ich schulde meinem alten Verlag nichts.

Als hätte jemand die Vermutung angestellt, die Autorin Schenkel sei möglichen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem „alten“ Verlag nicht nachgekommen.

Nach der ersten Bedeutung des Verbs  jemandem etwas schulden („zur Begleichung von Schulden oder als Entgelt o. Ä. zahlen müssen“, sagt der Duden) äußert die Sprecherin eine Wahrheit.
Sie unterschlägt hingegen auf bezeichnende Weise die zweite Wortbedeutung („aus sittlichen, gesellschaftlichen o. ä. Gründen jemandem ein bestimmtes Verhalten, Tun, eine bestimmte Haltung schuldig sein“).

An dieser Stelle sei auf das ausgesuchte und mit verlegerischem Mut, Spür- und Eigensinn aufgebaute Programm der Edition Nautilus hingewiesen. Schulenburg und Mittelstädt gehen Risiken ein, sind beharrlich, professionell und leidenschaftlich.

Für unter den Lichterbaum keinen Krimi, sondern einen Roman:
Zora Neale Hurston: Vor ihren Augen sahen sie Gott

ist das Literaturquiz auf ZEIT online:
Kennen Sie diese Romananfänge?
Parodie eines BildungsbürgersMan startet mit einer gewissen angehmen Selbstgefälligkeit in den Tag, wenn man 12 von 12 Fragen kurz vor neun am Morgen schon einmal richtig beantwortet hat.
Tatsächlich sind die Fragen aber nicht ernsthaft schwierig.

Schon jetzt eine meiner Lieblingsrückrufaktionen des Jahres 2010:

Hoffmann und Campe sieht sich in der Pflicht, als Werbung gedachte Rezeptkarten zurückzurufen. Noch wird spekuliert, ob der Rückruf der Kochanleitung, die als Gewürz 3 Blätter hochgiftigen Fingerhut aufführt, selbst widerrum nur eine PR-Aktion ist. Quasi Schutz-EV.

Wir bitten um freundliche Beachtung:

Der spirograf-BLOG ist umgezogen.
Neue Anschrift: www.blog.spirograf.de

Wir freuen uns weiterhin auf treue und begeisterte Leserinnen und Leser.
Verlage, Zeitschriften, Kulturveranstalter, Institutionen und Initiativen werden fortan die Möglichkeit haben, zu raisonablen Preisen auf dem spirograf-BLOG die werbliche Flagge zu hissen.

Zwischen Kartons und Koffer gelesen: die neuen Erzählungen von Chimamanda Ngozi Adichie: „The Thing Around Your Neck“.
Ein wenig abgeklärt vielleicht, aber gewohnt großartig.

Wie viele Menschen in der Buchbranche gehöre ich zu den Suchtlesern. Ich lese Werbeaufschriften auf vorbei fahrenden Lastern, die Vorder- und Rückseite von Pflanzetiketten und die Briefe an die Herausgeber in der FAZ. CarlalesendDie Vorstellung, vier Busstationen ohne Lektüre verbringen zu müssen, macht mich nervös, und ich würde tatsächlich nie das Haus ohne ein Taschenbuch verlassen, wenn ich umsteigen muss. Eine Zugreise trete ich mit mindestens zwei Büchern und verschiedenen Zeitungen an, nur für den Fall, dass eine Lektüre im Vorfeld falsch gewählt war oder sich während der Lektüre als falsch herausstellt. Süchte gehören nun nicht zu den gesellschaftlich erwünschten Erscheinungen und werden deshalb anonym kuriert.
Aber die Zeiten der Scham sind vorbei, wie ich in einem französischen Blog las, der wiederum einen amerikanischen kommentierte und mich überhaupt erst auf das Thema Lesesucht brachte, denn ich  lese auch dauernd Texte im Internet. Die amerikanischen Lobbyverbände Booksellers Association and Publishers Association haben sich auf eine neuen Typus verständigt: den bekennenden bookaholic, der nun mit aparten Slogans ausgestattet wird und die Sucht salonfähig machen soll.

Im Internet habe ich neulich auch gelernt, dass es zu den avancierten Web 2.0-Unternehmensstrategien gehört, Themen in Content, White Papers, Blogs, Threads, Communities, Twitter und Facebook zu positionieren, ohne dass der „Einsatz auf den Abverkauf einzahlt“. Seitdem weiß ich, dass man aufs Impressum schauen muss, bevor man längere Strecken zu lesen beginnt. Ich suchte beispielsweise nach Informationen zu einer Krankheit (nichts Schlimmes). Ich gebe also das Stichwort im Suchmaschinenfenster ein, erhalte Ergebnisse und klicke auf eine Adresse, die vernünftig klingt. Und glaube mich gut bedient. Eine übersichtlich aufgebaute, aufwendige  Seite, viel Text, Information und Links. Erst als ich zwanghaft alles gelesen habe, sehe ich, dass die Seite von einer großen deutschen Pharmafirma betrieben wird – keine Werbung, kein Link, kein Medikamentenname. Das Ziel besteht lediglich darin, das Thema zu beatmen und in den Suchanfragen nach vorne zu bringen.

Die Fischer Verlage machen ja jetzt auch mit bei der Kundenbindung. Twittern 140 Zeichen-Sätze aus ihren Büchern. Und die Branchenblätter kommentieren, besprechen und beurteilen. Kein Feuilleton, das nicht täglich über die new social media schreibt.
Die Nutzerzahlen erzählen von einer anderen Realität. Nach einer Harvard-Studie aus diesem Jahr generieren 10% der Twitterer 90% des Contents. 50% der Benutzer aktualisieren ihre Seite nur alle 74 (!)Tage, die andere Hälfte nach der Anmeldung nie wieder.
Man mag auf den Gedanken kommen, dass der „white noise“ (so nennt ein englischer Kulturkritiker diesen endlosen Sums über die falschen Themen), der von braven Buchblättern mangels eigener Inhalte produziert wird, eine recht klug lancierte Web.2.0-Twitter-Unternehmensstrategie zur Markenbildung ist. Kostenfrei.

Aber für Zynismus sind die Zeiten schlecht im Buchgeschäft, wie man lesen kann. Der Marketing Consultant Damien Horner, der die Bookaholics-Kampagne erfunden hat, ruft seinen Kritikern unter den Verlegern zu:
„At this point all I would ask is that people suspend their cynicism and allow the next stage of the development process to happen.“
Wenn Sie jetzt immer noch lesen, gehören Sie zur Gruppe derer,  die aus diesem development process beiseite treten möchten, Ihnen sei für die Sommerfrische eines der schönsten Reiseabenteuerbücher der Literatur empfohlen: „Die Argonauten auf der Kosmobahn“, das mir vor vielen Jahren ein bekennender Bookaholic ans Herz legte.
Julio Cortázar und seine Frau Carol Dunlo reisten 1982 im VW-Bus von Paris nach Marseille. Die Forschungsreise unterlag einer einfachen Regel: Sie durften die Autobahn nicht verlassen und mussten auf allen 65 Parkplätzen der Autobahn Halt machen, und auf jedem zweiten, egal wie hässlich, übernachten, „Buchtenschippern in diesem Archipel der Parkplätze“. Das Logbuch dieser Reise erschließt eine fremde Welt in der bekannten, der Weg wird zum  Ziel, und die Erkundung ist – wie bei allen großen Expeditionen – auch Selbsterkundung.
Das Buch ist bei Suhrkamp erschienen und nicht mehr lieferbar. Vielleicht eröffne ich für die Dauer der Sommerferien ein Twittergeschäft (sagt man so?) und funke das Buch in Abschnitten von 140 Zeichen an die Welt der Leser. Kostenfrei.

gründete 1994 The Marsh Agency zusammen mit seiner Frau Susanna Nicklin.
Zu Beginn vertrat die Agentur im Schwerpunkt die Übersetzungsrechte für britische und kanadische Literaturagenten und Verlage, erwarb sich rasch einen sehr guten Ruf und vertrat seit Ende der neunziger Jahre selbst Autoren und Autorinnen auf dem internationalen Markt, darunter  Kate Atkinson, Iain Banks, Simon Beckett,  Emma Donoghue,  Jonathan Safran Foer, Margaret Forster, Jonathan Lethem, Vikram Seth, Anita Nair, Ben Okri.
Paul Marsh starb am Sonntag, dem 5. Juli,  überraschend in Mailand, wo er sich zu einer Verlagsreise aufhielt.
Ein begeisterter Büchermensch, ein passionierter Profi im Literaturgeschäft, der seinen Autoren, Gesprächs- und Geschäftspartnern fehlen wird.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.