Eine der führenden Trendagenturen in Deutschland prognostiziert ihren Kunden, so sagt mir zumindest eine befreundete Person, die für diese Agentur und für unglaublich viel Geld arbeitet,  es seien die „echten Dinge“, die in Zukunft zählten und die für die jüngeren Menschen von Bedeutung seien. Aha, denke ich, so etwas wie die neue Manufactum-Generation wird als Kundenstamm kartografiert. Weit daneben. Die jungen Leute interessieren sich keinen Deut für mundgeblasene Wäscheklammern. Die befreundete Person sagt: echt wie in authentisch, wie in gefühlter Lebensqualität, echt wie in individueller Lebensgestaltung voller wirklicher, privater Beziehungen und ungestörter Momente. Ohne Schnörkel, ohne Überfluss, sehr viel Loha und Innigkeit.
Oha.
In meiner Handtasche lag während des Gesprächs On Cesil Beach von Ian McEwan, es lag da auch schon Stunden vorher, und noch einige danach. Aber während des Gespräches eben auch, und deshalb kann ich um diese Gleichzeitigkeit heute nicht herum, die ja nun in der Tat kaum besser sich hätte fügen können.

Hieß es noch zu den Hochzeiten der Theorie, es lägen sechs Personen im Bett, wenn zwei sich liebten, so kann man das Zählen aufgeben, liest man diese schneidend scharfe, zarte und sprachgenaue Soziologie einer scheiternden Liebe.
Wie diese zwei Liebenden sich aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Milieu zögerlich herausschälen, in dessen Schatten probehalber  zurücktreten, wie diese Szene einer Hochzeitsnacht sich unerbittlich entwickelt, unterbrochen durch die Rückblicke,  angereichert mit dem Stoff der Gegenwart,  den Wünschen, Gerüchen und der Angst, wie das Gesellschaftliche der Liebe gearbeitet, gedacht, gesetzt ist – da fragt man sich doch ganz naiv, wie es angehen kann, dass die Regression ins vermeintlich private Glück tatsächlich noch vorsätzlich angestrebt werden kann.
Man muss schon eine Planierraupe ins Feld schicken, um sein Denken und Empfinden auf diese echten Dinge einzunorden. Aber vielleicht kommen sie ja dafür bald zurück, die Krankeiten der fünfziger Jahre. Ich prognostiziere ein Ende der emotional verflachten Angestellten, die jeden Analytiker in den Langeweiletod treiben, und das Comeback der schweren Depressionen.
Aufruhr. Nullstunde der Literatur.